Spektr - Mescalyne    SPEKTR
    Mescalyne

    Release:  August 2007
    Label:  Debemur Morti Productions
    Stil:  Industrial Black Metal
    Spieldauer:  22 Minuten 59 Sekunden
    Punkte:  7 von 10
    Homepage:  Keine

    In der Datenbank seit:  02.10.2007 / 14:18:22
    Gelesen:  212x  (seit Datenbankeintrag)

Organisch zusammengeflickte Riffs, dezent eingestreute Harmonie-Ergüsse oder eine Art "Proberaum-Feeling", wie sie zeitens noch immer als schlagendes Kaufargument auf Beilage-Zetteln genannt wird - das alles hat Spektr nicht zu bieten. Seit jeher schon eindeutig im Industrial Black Metal zu Hause (wobei ersterer Bezeichnungsteil sogar ein gutes Stück gewichtiger im Sound vertreten ist), betreibt das Duo ohrenscheinlich reinste Computer-Arbeit, was neben all den Sample-Konglomeraten und den düster wabernden Ambient-Untermalungen genauso alle Gitarren- und Gesangsspuren miteinbezieht; bei den Drums entschied man sich paradoxerweise für die "echte" Variante, was dem verdammt sperrigen, dafür im gleichen Zug intensiv gestalteten Inhalt vorliegender MCD ungewöhnlich gut zu Gesicht steht. Unabhängig davon grenzen sich Spektr generell vehement vom Gros des Üblichen ab.
Wer unter anderem an so Werken wie "Cocaine" von V.E.G.A. seine reine Freude hatte und mit den hiesigen Franzosen noch nicht in Berührung kam, dürfte dem audiovisuellen Wahnsinn, den "Mescalyne" bis in die kleinste Pore verkörpert, wahrscheinlich restlos verfallen. Vollkommen unerwartete Wendungen, krasse Taktwechsel und recht unheimliche Momente (Anfang des Titeltracks) zeichnen ein extrem abstraktes Bild, als ob einem die ganze Umgebung auf den Kopf fallen würde. Und tatsächlich: Meskalin, das sich in speziellen Kaktus-Arten befindet, verschärft das Farbempfinden, löst Halluzinationen aus, kann aber bei zu hoher Konzentration Psychosen und Wahnvorstellungen auslösen... scheint, als ob das Zweigestirn auf eine möglichst authentische Konzept-MCD aus war. Wirklich rasant geht es relativ selten zu, dafür wird zu viel Wert auf lange, dissonant chaotische Überbrückungen gelegt. "Maze of Torment" zum Beispiel dient als ruhige, aber zugleich verfolgende Klangcollage (Stichwort Paranoia) mit weiten, dunklen Synthie-Flächen und einer ordentlichen Portion Hall, die direkt in "Revelations" übergeht, das die Platte im Prinzip gut zusammenfasst: Zwei bis drei enorm verzerrte Riffs, ein selbst im unrhytmischen Bereich versierter Drummer sowie eine wahre Flut an Hintergrundgeräuschen prasseln da binnen knapp sechs Minuten auf einen ein, als ob es kein Morgen mehr gäbe.
Bei allem Einfallsreichtum, Innovationsvermögen und dem ein oder anderen Glanzmoment, der vorüberwiegend in den gitarrenlastigen Abschnitten zu finden ist, wütet die Scheibe für meinen Geschmack ein wenig zu steril, zu kalkuliert, vielleicht sogar einen Tick zu schroff abweisend. Für Freunde kompromissloser Extreme - denen gerade solche Attribute schmeckt - wird dies sicherlich keinen Grund darstellen, sich nicht mit Spektrs Klangwelt auseinander zu setzen, davon gehe ich zumindest einmal aus.


FAZIT:

Wenn klassisch psychedelische Orgien im Geiste der Sechsziger und Siebziger keine Gefühlsregungen mehr erzeugen können, man aber dennoch vertonte Rauschzustände hören will, eignet sich "Mescalyne" hierfür hervorragend. Vorsicht, schwere Kost!


TRACKLISTE:

01 - Hollow Contact
02 - Mescalyne
03 - Maze Of Torments
04 - Revelations


LINE-UP:

Kl.K. - Drums, Vocals, Samples, Programming
Hth - Guitars, Bass, Vocals, Samples, Programming


AMIKKUS

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