Das kurze, Klassik-inspirierte Intro des Openers „Lethal Suspiro“ zeigt bereits die Besonderheit der Band aus Rouen auf. Die Jungs verbinden nämlich ihren Old School-Death Metal mit Songwriting, das von Komponisten der Klassik und des Barocks inspiriert ist. Musikalisch klingt das Ganze dadurch natürlich viel abwechslungsreicher und dynamischer als die durchschnittliche Old School Death-Kapelle. Kurze Klassikpassagen wie am Beginn von „Narcissus Vortex” verleihen der Musik etwas Erhabenes, Elegantes, auch wenn es danach sofort mit heftigem Death Metal weitergeht, wobei auch dieser stets von Melodien getragen wird. Dabei stehen nicht Solos zum Selbstzweck oder für das Ego des Gitarristen im Vordergrund, sondern die Gitarre wird als ein Werkzeug für den Song als ein Ganzes genutzt. Wie seinerzeit bei den klassischen Meistern steht die Komposition in ihrer Gesamtheit über den einzelnen Instrumenten. Man sollte nicht den Fehler machen, nur oberflächlich in einzelne Stücke des Albums reinzuhören und die Band fälschlich für eine weitere technische Death Metal-Band zu halten. Trotz einzelner technischer Passagen steht für mich in der Musik von Tragos der Klassik-Ansatz weitaus stärker im Vordergrund, auch wenn dieser abgesehen einigen von kurzen Intro-Passagen mittels der traditionellen Metal-Instrumentierung umgesetzt wird und man nicht wie Therion oder Dimmu Borgir ganze Orchester ins Studio holt. FAZIT: Tragos verbinden auf „Bellicum“ traditionellen (Old School-)Death Metal mit vom Barock inspirierten Songwriting und liefern damit eine Mischung aus Brutalität und Eleganz, Geknüppel und Erhabenheit und überzeugen mit einer musikalischen Dynamik, die man ansonsten mehr in der Klassik als im Metal findet.
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